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02.05.2015

Yannick Henry im Interview mit dem ehc::live

Nach vier Jahren im Eishockey-Internat in Straßburg ist Yannick Henry nach Freiburg zurückgekehrt, wo er seine ersten Schritte auf dem Eis gemacht hat. Warum der 20-Jährige dafür die erste französische Liga verließ, an welche Besonderheiten er sich beim Übergang zwischen den Kulturen gewöhnen musste und warum der Barren für ihn zum sportlichen Karrierekiller wurde, hat er EHC-Live verraten.

EHC-Live: Hallo Yannick. Sag' mal kurz deinen Namen, zum Test, ob das Aufnahmegerät funktioniert.

Henry: Yannick Henry.

EHC-Live: Du sprichst deinen Nachnamen englisch aus?

Henry: Ja. Es sprechen hier alle den Namen englisch aus. Aber richtig wäre natürlich das französische 'Henry'.

EHC-Live: Du hast einen deutschfranzösischen Hintergrund...

Henry: Richtig. Meine Mutter ist Deutsche und mein Vater ist Franzose. Meine Muttersprache ist aber Deutsch, da ich hier in Freiburg geboren und aufgewachsen bin.

EHC-Live: Und Französisch?

Henry: Fließend. Ich bin 2010 mit 16 Jahren nach Straßburg ins Eishockey-Internat gegangen und habe dort auch mein Schulabschluss, das Abitur gemacht.

EHC-Live: War dir Freiburg, die Franz-Siegel-Halle und das deutsche Eishockey nicht international genug?

Henry: Nein. Aber ich wollte mich einfach weiterentwickeln, indem ich einfach mal etwas neues, anderes sehe. Das war schon ein Sprung in eine ganz andere Welt. Wir hatten direkt morgens nach dem Frühstück Training. Von zehn Uhr bis nachmittags um fünf ging es dann in die Schule, anschließend zum Krafttraining und noch einmalaufs Eis. Wenn ich dann mit den Hausaufgaben im Internat fertig war, war es meistens schon 23 Uhr. Und am nächsten Tag das gleiche Programm nochmal. Samstags und Sonntags hatten wir dann die Spiele. Das war schon ein straffes Programm.

EHC-Live: Die Spiele waren dann in den französischen Nachwuchsligen?

Henry: Angefangen habe ich in der U-18-Mannschaft. Vor zwei Jahren bin ich dann in die U-22 gerutscht, da spielten wir in der sogenannten Elite, das ist vergleichbar mit der DNL, der Deutschen Nachwuchs Liga. In der vergangenen Spielzeit ist mir dann der Sprung in die erste Mannschaft von Straßburg gelungen.

EHC-Live: Die spielen in der ersten französischen Liga?

Henry: Ja, ich konnte schon mal etwas Profi-Eishockey-Luft schnuppern.

EHC-Live: Auch wenn ich jetzt meine völlige Unkenntnis unter Beweis stelle: Wie ist denn da so das Niveau?

Henry: Das ist eine komplett andere Spielweise. Ich musste mich hier in Freiburg auch erst einmal wieder anpassen. Das deutsche Eishockey ist schon eher für die körperbetonte, hitzige Spielweise bekannt. In Frankreich ist es stärker von Taktik geprägt.

EHC-Live: Du bist dort hingegangen, um dich im Eishockey weiterzuentwickeln. Unter uns: Ich wäre dabei nicht als erstes auf F r a n k r e i c h gekommen, eher vielleicht Nordamerika...

Henry: Schon klar. Ich wollte vor allem eine andere Lebensart, eine andere Kultur kennenlernen. Das beschränkt sich bei mir nicht auf Eishockey.

EHC-Live: Wenn du die beiden Kulturen vergleichst – welcher Unterschied fällt sofort auf?

Henry: Die Franzosen lassen sich beim Essen Zeit (lacht). Aber auch die Schule war für mich eine große Umstellung. Nicht nur für uns im Eishockey-Internat ging jeder Schultag bis um 17, 18 Uhr abends. Da haben alle Kinder und Jugendlichen ganztags Schule, während hier in Deutschland um eins schon alles vorbei ist.

EHC-Live: Wenn man das alles mit den vielen Trainings hinter sich gebracht hat, ist man ein ganz disziplinierter Eishockeyspieler, wie ihn alle Trainer lieben?

Henry: Äh, geht so. Dort im Internat konnte man sich jedenfalls nicht mal eben ausruhen, nur weil man ein bisschen Training hatte. Da kam dann eben noch die Schule oder spät abends noch die Hausaufgaben. Mir hilft es aber heute noch, Sachen, die ich begonnen habe, auch wirklich durchzuziehen.

EHC-Live: Du scheinst die Kultur genossen zu haben, und durftest in einer Profimannschaft spielen. Warum dann der Schritt zurück nach Freiburg?

Henry: Ich habe natürlich auch von Straßburg aus verfolgt, was die Wölfe so machen. Da ist mir natürlich nicht entgangen, dass die Jungs schon in der letzten Saison gut Gas gegeben haben. Da hab' ich mich dann gefragt: Warum eigentlich nicht mal wieder Freiburg, wo doch auch die ganze Familie dort wohnt. Die Sehnsucht nach Zuhause war eigentlich ausschlaggebend, da war alles andere zweitrangig.

EHC-Live: Hier bist du aber nicht in dem Sinne Vollprofi, dass du ausschließlich Eishockey spielst?

Henry: Nein. Ich wollte mich zuerst mit Alex Brückmann für Sportwissenschaften an der Uni einschreiben.

EHC-Live: Und? Bist du drin?

Henry: Tja, die Sporteingangsprüfung war schon wirklich heftig. Ich hätte alles Tests schaffen müssen, bin aber am Barren gescheitert. Das ist aber auch technisch verdammt anspruchsvoll, muss ich jetzt mal zu meiner Ehrenrettung sagen. OK, ich hab mich vielleicht auch nicht soooo genau vorbereitet.

EHC-Live: Und nun?

Henry: Die Geschichte ist etwas länger: Ich wollte mich dann in Offenburg für Medizintechnik einschreiben. Das hat auch nicht geklappt, weil... (lacht) Naja, ich will jetzt nicht dem Eishockey alles in die Schuhe schieben – aber die vielen Trainings und Spiele und dann auch noch ein weiter Anfahrtsweg, da braucht man einfach zu viel Zeit. Ich weiß auch, wenn es nicht mehr geht. Jetzt werde ich mich für das Wintersemester, das im September beginnt, für Internationale Betriebswirtschaft einschreiben - hier in Freiburg.

EHC-Live: Wenn das mit dem Studieren nicht nur erfolgreich bis hierher verlief, kommen wir doch lieber zu Eishockey-Erfolgen. Gegen Erding beim letzten Heimspiel zum ersten Mal Überzahl gespielt…

Henry: …zum – lass' mich überlegen – mindestens zweiten Mal…

EHC-Live: …gleich das zweite…

Henry: …dritte Tor!

EHC-Live: Wie auch immer – was ich fragen wollte: Wie war das Gefühl?

Henry: Hat gepasst. Alex Brückmann schießt von der blauen Linie, Robert Peleikis fälscht ab, der Torhüter war darauf nicht gefasst, die Scheibe tropft nur ab und ich stehe im richtigen Moment an der richtigen Stelle, um nur noch den Puck über die Linie zu schieben.

EHC-Live: Überzahl – klappt. Tore schießen – können wir auch 'nen Haken dran machen. Was kommt jetzt als nächster Schritt in deiner Entwicklung?

Henry: Was man dann so sagt: Der Mannschaft so gut helfen, wie es geht. Von Spiel zu Spiel denken…

EHC-Live: Du spielst in der vierten Reihe, da wechseln die Sturmpartner doch häufiger. Zählst du mit, mit wie vielen Kollegen du schon auf dem Eis gestanden bist?

Henry: Ach wir verstehen uns in der ganzen Mannschaft gut und bisher hat es doch auch immer gut geklappt. Gegen Erding habe ich mit Timo Linsenmaier, der sonst Abwehr spielt, und Robert Peleikis in einer Formation begonnen. Timo der während dem Spiel in allen Reihen auf dem Eis war, hat ein Tor geschossen, Robert hatte einen Fight und ich habe auch getroffen. Da war die vierte Reihe doch ganz vorne!

EHC-Live: Gibt es Vorbilder?

Henry: Klar, viele. Allerdings spielen die alle in Nordamerika. Sehr beeindruckt hat mich Antoine Roussel, ein Franzose der bei Dallas spielt, und über den ich eine Dokumentation gesehen habe. Der ist mit 16 nach Amerika, hat sich dort vom College-Eishockey hochgearbeitet. Der hat hart dafür gearbeitet, um das zu werden, was er jetzt ist. Heute hat er viel Spielzeit, macht seine Punkte in der NHL. Da sieht man, was man mit harter Arbeit erreichen kann. Um da hinzukommen, muss man eben Gas geben.

EHC-Live: Viel Glück dabei!

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