BitzerAllen
24.11.2019

2:3-Overtime-Niederlage in Crimmitschau nach Aufholjagd im letzten Drittel

Der in neuen Reihen auflaufende EHC Freiburg kann im letzten Drittel einen 0:2-Rückstand aufholen, verliert dann aber nach einer Strafe wegen Wechselfehler durch ein Powerplay-Tor in der Verlängerung

Im Spiel der durcheinander gewürfelten Reihen – beide Seiten liefen in für sie untypischen Formationen auf – konnte sich direkt nach dem Eröffnungsbully die neue Freiburger Reihe um Billich/Pither/Allen im gegnerischen Drittel festsetzen und zu einigen Chancen kommen. Es schien, als wollte man schon früh zeigen, dass der „Schritt“, den man Freitag bei der bitteren Heimniederlage gegen Kaufbeuren, laut Peter Russel, stets „zu spät“ gewesen war, eine Ausnahme darstellte. Der weitere Verlauf des ersten Drittels gehörte dann aber Crimmitschau, was jedoch nicht auf eine defensive Schwäche des EHC zurückzuführen war – sondern vielmehr dem Umstand geschuldet war, dass man offensiv „schwerere Plays versucht“ habe, anstatt das Spiel „einfach zu halten“, so Christian Neuert.

Unterbrochen wurde die lange Phase der Crimmitschauer Oberhand lediglich durch ein Powerplay des EHC, das dieser in den gewohnten Formationen um Pither an der Seite von Spiro (1. Reihe) und Linsenmaier zusammen mit Billich und Allen (2. Reihe) bestritt (8.-10. Minute) – Chancen erspielte sich das mittlerweile drittbeste Überzahlspiel der Liga dabei jedoch keine.

Der größte Aufschrei im Kunsteisstadion im Sahnpark in diesem ersten Drittel erfolgte in der 13. Minute, als nur der Pfosten den EHC vor dem frühen Rückstand rettete. Es folgte eine Phase von über fünf Minuten ohne Unterbrechung, an deren Ende die Gastgeber – denen noch eine kontroverse Overtime-Niederlage von Freitag in Bad Tölz in den Knochen und den Köpfen steckte – vehement den Videobeweis forderten. Dieser wurde ihnen jedoch verwehrt – und weitere drei Minuten später gingen dann die beiden Teams bei torlosem Spielstand zum ersten Mal zurück in ihre Kabinen.

Der durch die Schussbilanz von 6:5 (für Freiburg) aus dem ersten Drittel versinnbildlichte Trend eines Spiels, in dem beide Mannschaften nicht entscheidend gefährlich auf das gegnerische Tor arbeiteten, setzte sich im zweiten Drittel fort. Auch insgesamt vier Powerplays auf beiden Seiten (Freiburg ab der 22., 33., 35.; Crimmitschau ab der 30. Minute) zeigten verspielte Offensivformationen mit wenig entscheidendem Biss.

Der auf dem Papier etwas kurios wirkende erste Treffer des Spiels passt dabei aber irgendwie in diesen Spielverlauf: Als sich zwei Crimmitschauer Strafzeiten für acht Sekunden überschnitten und der EHC sich somit kurz in einem Fünf-gegen-drei befand, befand sich nach einer Befreiung der Gastgeber plötzlich der von der Strafbank zurückgekehrte Patrick Kohl allein im Mitteldrittel in Puckbesitz und konnte seinen Alleingang zum 1:0 verwandeln (35.).

Der Rest des Drittels sollte Crimmitschau gehören – die in dieser Phase verdiente Führung der Gastgeber wurde jedoch nicht in einer der Phasen, in denen sie sich im Freiburger Drittel festsetzten, erhöht – sondern durch einen Konter, in dem Alexander Wideman einen Querpass etwas zu leicht an Cam Spiro vorbeispielen konnte und Phillipp Halbauer fand, der zum 2:0-Pausenstand für die Gastgeber nach dem zweiten Drittel einnetzte (39.).

Statt einem direkten Aufbegehren der Freiburger konnte zunächst Crimmitschau seinen Schwung aus der Schlussphase des zweiten Drittels in den Schlussabschnitt nehmen – dabei half den Gastgebern eine Strafe gegen Alexander Brückmann aus der 40. Minute, deren Powerplay zu Beginn des dritten Drittels den Ton für die ersten sechs Minuten des Schlussdrittels vorgab. Von da an wurde Freiburg jedoch besser und arbeitete gut nach vorne. Ihr insgesamt fünftes Powerplay verspielten sich die Wölfe zwar in Form einer eigenen Strafe – das Vier-gegen-vier nutzte jedoch Cam Spiro durch einen Alleingang zum 1:2-Anschlusstreffer aus Sicht des EHC (49.).

Dieses Tor ließ beide Mannschaften nun vermehrt nach vorne arbeiten und brachte inmitten von Chancen auf beiden Seiten den Freiburger Ausgleich in Form eines Tic-Tac-Toe um das Crimmitschauer Tor von Christian Bilich, Luke Pither und dem Torschützen Scott Allen hervor (2:2, 53.). Kurz darauf – und in die sich anschließende Verlängerung hinein – folgten jedoch bange Minuten für den EHC, als sich Cam Spiro für 2+2 Minuten auf die Strafbank begeben musste (57.). Ben Meisner konnte jedoch dem Crimmitschauer Druck standhalten.

Die größte Chance der Eröffnungsminuten in der Verlängerung gehörte dann aber eben Cam Spiro, der von der Strafbank zurückkommend alleine aufs Crimmitschauer Tor ziehen konnte, jedoch an Michael Bitzer scheiterte (62.). Kurz darauf begab er sich jedoch gleich wieder in die Kühlbox – dieses Mal um eine Bankstrafe wegen eines Wechselfehlers abzusitzen. Diese Strafe entpuppte sich dann als „die eine zuviel“ – direkt nach dem Bully netzte nämlich Andrian Grygiel per One-Timer zum 3:2 für die Eispiraten Crimmitschau ein (62.).


Fazit:
Ein Punkt gewonnen oder zwei verloren? Bedenkt man, dass Crimmitschau auf das gesamte Spiel gesehen die bessere Mannschaft war und der EHC bis zwölf Minuten vor Ende mit zwei Toren im Rückstand lag, gilt natürlich ersteres. Allerdings bleibt ebenfalls festzuhalten, dass Freiburg früh und in der Mitte des Spiels seine Powerplays nicht nutzen konnte und sich mit späten Strafen selber ein wenig den Wind aus den Segeln nahm.

So geht es weiter:
Der vor dem heutigen Spieltag Siebtplatzierte EHC Freiburg trifft bereits am Dienstag um 19.30 Uhr in der Echte-Helden-Arena auf die Kassel Huskies und möchte sich dort für die 3:5-Auswärtsniederlage von Ende Oktober revanchieren und die aktuelle Niederlagenserie von zwei Spielen beenden.

Dabei gilt es zu beobachten, ob Peter Russel an den neuen Reihen-Formationen festhält und dabei weiterhin die Spielzeit auf alle vier Sturmformationen annähernd gleichmäßig verteilt, wie es heute der Fall war.


Tore:
1:0 (34:30) Patrick Pohl (Vincent Schlenker) - SH1
2:0 (38:23) Phillipp Halbauer (Alexander Wideman, Mitch Wahl)
2:1 (48:33) Cam Spiro
2:2 (52:25) Scott Allen (Luke Pither, Christian Billich)
3:2 (61:42) Adrian Grygiel (Austin Fyten, Patrick Pohl) - PP1

Strafminuten: Crimmitschau 10, Freiburg 12
Schiedsrichter: Mischa Apel, Eugen Schmidt / Jerome Blandin, Jakob Sauerzapfe
Zuschauer: 1.771

Die Freiburger Aufstellung:
Meisner (Meder)
Allen, Pither, Billich / Pageau, Spornberger
Spiro, Linsenmaier, Kunz / Brückmann, Kurz
Saakyan, Ustorf, Wittfoth / Rießle, Neher
Betzold, Neuert, Herm / Trattner

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