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03.03.2020

Den französischen Meister besiegt

U15: EHC Freiburg – HC 74 Chamonix 5:4 (1:0, 1:1, 2:3, 1:0). //

U15: EHC Freiburg – ESV Kaufbeuren 1:4 (0:1, 0:2, 1:1) // ...

Einen amtierenden Meister geschlagen zu haben – das können nicht viele Nachwuchsspieler in BaWü von sich behaupten. Das Schülerteam (U15) des EHC darf sich genau diese Ehrentat seit Montag (2.3.) auf seine Visitenkarte schreiben. Am Montag hatte man nämlich den HC 74 Chamonix zu Gast, der in der vergangenen Saison Frankreich-Meister bei der U15 und der U17 geworden war.

Diese Woche sind in Frankreich noch Schulferien. Darum legt das Team vom Fuße des Montblanc nun eine Drei-Spiele-Tournee in Tschechien ein, um sich für die französischen Playoffs auf Hochglanz zu bringen. Und weil Freiburg ungefähr auf halber Strecke zwischen Chamonix und Prag liegt, hatte man hier wegen eines Freundschaftsspiels angefragt.

Gerne bot der EHC den französischen Gästen diese Spielpraxis zum ungewohnten Termin am Montagabend an, denn auch dem Team von Rawil Khaydarow tut jede zusätzliche Minute im Wettkampf-Stress gut. Die Erwartungen auf den Tribünen rutschten schnell in den Bereich „Hoffentlich nicht zweistellig“, als klar wurde, dass die 20 breitschultrigen Bodyguards, die den Chamonix-Trainer vor Spielbeginn zur Gästebank eskortierten, in Wahrheit die Gästespieler waren. Der HC 74 rekrutiert sein U15 Elite I-Team gleich aus vier Vereinen aus den Hoch-Savoyen: Chamonix, Megève, Saint-Gervais, Morzine. Ganz unaufdringlich versprüht diese Mannschaft den Esprit des Erfolges. Schon ihr Aufwärmen folgte einer einstudierten makellosen Choreographie. Beim EHC sieht das Aufwärmen dagegen wie ein Wimmelbild auf Kufen aus.

Ähnlich verliefen die ersten Spielminuten. Die Freiburger führten ihr Wimmelbild auch nach dem Eröffnungsbully fort, die Franzosen passten passten schossen – Abwehr Keanu Salmik im EHC-Tor. Dann wieder: Passten passten schossen – Abwehr Salmik. Und nochmals dasselbe: Passten passten schossen – Abwehr Salmik. Insgesamt gab es diese Szene im ersten Spieldrittel 19 Mal. Manchmal räumte die EHC-Verteidigung den Rebound weg, manchmal nicht. Einmal gelang das Wegräumen aber so gut, dass EHC-Stürmer Milan Klein durchstarten konnte und von der Grundlinie Sturmpartner Mischa Erukhimovich bedienen konnte. Tschakka: 1:0!

Im mittleren Spielabschnitt konnte sich Goalie Salmik weiterhin auszeichnen, und auszeichnen, und auszeichnen. Nach 28 Minuten war aber auch er machtlos – 1:1. Immerhin hatte sich nun herumgesprochen, dass die breitschultrigen Bodyguards im Chamonix-Trikot eigentlich nur spielen wollten. Also legten die EHC-Stürmer eine Schippe drauf. Zwei schöne Konter wurden vergeben, dann nutzte Milan Schiffermüller eine Khaydarov-Klein-Vorarbeit per Blau-Linien-Hammer zum 2:1 (38.).

Das wird doch nicht etwa … Gerade als sich die Elternschar in der nasskalten Halle erste warme Gedanken machen wollte, schlugen die Franzosen doppelt zu. Zwei Tore innerhalb kurzer Zeit, weil Keanu Salmik nach dem ersten Rebound und dem zweiten Rebound nicht auch noch den dritten abwehren konnte. 2:3 nach 42 Minuten. Würde jetzt der französische Meister ernst machen? Er rückte vor allem weiter nach vorne, und das nutzte Freiburgs Turbo-Tandem Artjom Khaydarov/Paul Bechtold postwendend zum 3:3 (43.). Schon mit dem übernächsten Angriff gingen die Gäste wieder in Führung, weil der EHC wie so oft den Raum vor seinem eigenen Tor zu wenig bewachte. Das 3:4 inspirierte Chamonix zu noch mehr Vorwärtsdrang – mit der Folge, dass wiederum dieselben EHC-Verdächtigen ausbüchsen konnten. Bechtold legte vor, Khaydarov netzte ein. Dieses 4:4, nach 46 Minuten, schmeckte dem Gästetrainer Bruno Margerit gar nicht. In Tschechien muss er ja auch mit dem einen oder anderen Turbo-Tandem des Gegners rechnen. Darum stellte er mehr auf Break-Sicherung um. So gab es hüben wie drüben zwar noch etliche Schüsse aufs Tor, aber keinen mehr ins Tor.

Also musste das Penaltyschießen die Sache entscheiden. Nach sieben Schüssen stand es dort 1:1. Nun schenkte Trainer Khaydarov seiner Nummer 15, Cedric Ringenbach, das Vertrauen, weil der in den vergangenen Wochen einen großen Leistungssprung nach vorn gemacht hatte. Ringenbach lief unbekümmert direttissima an, als ob´s der Schulweg wäre. Verzichtete auf jede Täuschung oder anderes Geschnörkel. Pflitschte einmal kurz aus dem Handgelenk und deponierte den Puck im Tornetz, weil er genau dort hingehört, wenn man ein Penaltyschießen gewinnen will. Ein Penaltyschießen gegen den amtierenden U15-Meister von Frankreich.

Text: Toni Klein / Foto: Frank Nieberle

PS. Am Tag davor (1.3.) hatte der EHC sein Heimspiel in der Schüler-Bundesliga gegen Spitzenreiter Kaufbeuren mit 1:4 verloren. Die Freiburger Leistung war besser als im indiskutablen Hinspiel (2:8), aber nicht gut genug, um die selbstsicheren Gäste in Gefahr zu bringen. Auch in diesem Spiel hatte EHC-Goalie Keanu Salmik 60 Minuten lang alle Hände voll zu tun, während seine Vorderleute im gesamten Spiel nur drei, vier Pässe den durchstartenden Stürmern in die Kelle spielten. Den Ehrentreffer erzielte Marlo Glaser in der 44. Minute (Assist: Milan Klein).  

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