Samuel Silas
12.02.2019

Das Wochenende von Samuel und Silas

U13: EHC Freiburg – Mannheimer ERC 2:7 (0:2, 1:2, 1:3)

Im Nachwuchssport ist nie viel Geld unterwegs. Schon gar nicht in einem Eishockeyclub. Hier sind ungleich mehr Aufgaben zu erledigen als zum Beispiel in einem Fußballverein, zugleich wächst aber noch weniger Geld auf den Bäumen als rund um den Kickplatz einer C-Jugend. Umso wichtiger ist es, dass sich Eltern für die Mannschaft ihres Kindes, für den Verein, für das große Ganze einsetzen.

Man nennt diesen Einsatz „Ehrenamt“ – und meint damit:

lange Abende als unbezahlter Helfer im Wolfsbau.

Würstchen verkaufen im Nachwuchskiosk.

Eiskalte Füße holen am Kampfgericht.

Spenden sammeln bei Profi-Spielen.

Stände aufbauen bei Vereinsfesten.

Kabinen aufräumen für die Kinder.

Obst und Getränke vorbereiten für die Gegner.

Spielerfrust abbauen als Betreuer.

Kuchen backen für die Zuschauer.

Waffeln backen beim Publikumslauf.

Minibusse fahren zu Auswärtsspielen.

Minibusse säubern nach der Rückkehr.

All diese Tätigkeiten haben eines gemeinsam: Sie werden freiwillig verrichtet, und bereitwillig. Sie sind die Bausteine und der Mörtel, ohne den ein kompliziertes Gebäude wie eine Nachwuchsabteilung nicht lange stehen würde. Im Schatten einer Profi-Mannschaft werden diese Tätigkeiten nicht von jedermann gesehen. Wer näher dran ist, sieht aber: Da kommen im Laufe einer Saison mühelos 100 Stunden zusammen. Für manche Eltern, Betreuer, Wolfsbau-Helfer sind es auch 200 Stunden und mehr.

Alle leisten diesen Kraftakt in ihrer Freizeit, damit ihre Kinder möglichst unbeschwert dem Puck hinterherjagen können. Die Kinder bedanken sich für dieses Engagement der Eltern mit ihrer eigenen Währung: Mit strahlenden Augen – und ab und zu mit einer Heldentat.

Womit wir bei Rolf und Sibylle Flamm wären.

Seit vielen Jahren steckt das junge Paar einen Mount Everest an Einsatz in den EHC Freiburg. Ihr Aufgabenspektrum? Siehe oben, plus Besetzung des Fanshops, plus plus plus.

Seit Jahren leisten derweil ihre Söhne Samuel und Silas ihren „Job“ als Verteidiger im EHC-Nachwuchs. Der Eine Jahrgang 2005, der Andere 2007, beide mit der Trikotnummer 3, beide stets unaufgeregt und gut gelaunt im Dienste der Mannschaft, damit „ihre“ Stürmer sich vorne mit Karacho austoben können. Das Toreschießen zählt nicht zu den Hauptaufgaben von Samuel und Silas. Also überlassen sie das in der Regel den Mitspielern und behalten derweil die blaue Linie im Blick.

Das vergangene Wochenende lief aber irgendwie anders als die ungezählten Wochenenden davor.

Am Samstag (30.11.), beim U15-Spiel gegen Rosenheim, sah Samuel Flamm 25 Minuten lang zu, wie sich die Stürmer beider Mannschaften vergeblich darum bemühten, den ersten Treffer zu erzielen. Dann hatte er die Faxen dicke: Energisch zog er so nah wie selten zuvor ans gegnerische Tor, fand den Puck herrenlos vor und half ihm mit viel Geschick über die Torlinie – 1:0, der Grundstein zum späteren Sieg unseres Schülerteams.

Am Sonntag (1.12.), beim U13-Spiel gegen den Mannheimer ERC, sah Silas Flamm 42 Minuten lang zu, wie seine Spielkameraden sich schwer taten mit dem Toreschießen. EHC-Stürmer Lio Leichsenring hatte zwar eine Vorarbeit von Adrian Ernst und Julius Wulf aus spitzem Winkel zum 1:3 (29.) verwertet. Ansonsten ließen sich die Hausherren aber, auch bei Kontern, zu leicht aus torgefährlichen Positionen in die Peripherie abdrängen. Also setzte Silas Flamm ein Zeichen: Er packte seinen schönsten Schlagschuss aus, zielte so geschickt auf die Kufen des Gegners, dass der Puck von dort fröhlich in die linke Ecke glitt, während die MERC-Torhüterin in der rechten Ecke auf ihn wartete. Mit diesem Treffer zum 2:4 weckte Silas Flamm tatsächlich die Lebensgeister seines Teams. Mit allen Kräften drängte es auf den Anschluss. Erst mit seinem vierten Tor des Tages sorgte MERC-Kapitän Mikola Ovchynnikov endgültig für die Entscheidung.

Was von diesem Wochenende aber bleibt, wenn die einzelnen Ergebnisse längst vergessen sind:

Zwei junge Verteidiger des EHC haben mit ihrem Auftreten (und ihren Toren) ihre Eltern wieder stolz gemacht, auf dass diese Eltern sich – wie viele andere EHC-Eltern an jedem Wochenende – weiterhin voller Elan für ihren Verein ins Zeug legen.

Text: Toni Klein / Fotos: Citypress

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