22.01.2013

Interview mit Matthias Mühl: "Good aye Freiburg"

Er stammt aus der Freiburger Nachwuchsabteilung und spielte für den EHC einst auch in der 2. Bundesliga: Matthias Mühl. Später blieb der Offensivakteur dem EHC im Amateurbereich und als Nachwuchstrainer treu. Mittlerweile hat es Mühl ans andere Ende der Welt verschlagen. Im großen Interview spricht der 30-jährige "halbe Kiwi" über seine Auswanderung sowie seine Zeit beim EHC. Dabei verrät Mühl auch, warum es letztlich nicht ganz zum Sprung in den Profi-Bereich gereicht hatte - und welchem treuen EHC-Fan er noch heute Karten schickt. Er gibt uns aber auch eine Einschätzung über das Eishockey in Neuseeland, was er am liebsten aus seiner alten in seine neue Heimat im- und exportieren würde - und was lieber nicht. Außerdem verrät Matthias Mühl, ob er schon einmal den traditionellen Haka Tanz vorgeführt hat.

ehc::live: "Matthias, wir erreichen dich gerade am anderen Ende der Welt?"

Matthias Mühl: "Good aye Freiburg", wie man hier in Neuseeland sagt. Ja, das mit dem anderen Ende der Welt trifft im wahrsten Sinne des Wortes zu. Hier ist alles gerade um 12 Stunden und/bzw. 6 Monate versetzt. Daher gehe ich derzeit eher an den Strand zum Surfen als ins Eisstadion."

ehc::live: "Was hat dich denn ausgerechnet nach Neuseeland verschlagen?"

Mühl: "Als ich mein Maschinenbaustudium abgeschlossen hatte war mir klar, dass ich irgendwann mal im englischsprachigem Raum arbeiten möchte. Nachdem ich dann nach etwas mehr als zwei Jahren mit meiner Arbeit in der Schweiz nicht mehr zufrieden war, sah ich den Zeitpunkt für eine Veränderung gekommen. In Europa zu bleiben stand für mich nicht wirklich zur Debatte. Daher blieben dann noch die USA, Kanada, Australien und Neuseeland auf der Liste. Die USA hat mich arbeitstechnisch nie wirlich gereizt und in Kanada war ich schon mal. Das war damals mit der Ba-Wü-Auswahl zum Pee-Wee Turnier in Quebec. Somit waren nur noch zwei Länder übrig. Australien schied dann aber wegen der giftigen Tiere aus. Ich möchte mir einfach keine Gedanken über Schlangen, Spinnen oder Haie machen. Somit war Neuseeland nach dem Auschlussverfahren mein Zielland. Danach habe ich mich über die Einwanderungsbestimmungen erkundigt. Von da an ging dann alles ganz schnell und ich bin innerhalb von drei bis vier Monaten mit einem Work-Holiday Visa in Neuseeland gewesen. Nun bin ich schon fast zweieinhalb Jahre hier und habe mittlerweile ein Permanent Residence Visa (Daueraufenthaltsgenehmigung) und bin somit schon ein halber Kiwi (so nennt man die Neuseeländer)."

ehc::live: "Du wohnst ja jetzt nicht mehr direkt um die Ecke - wie lange brauchst du für eine Reise in die Heimat?"

Mühl: "Die reine Flugzeit betraegt ca. 24 Stunden, die gesamte Reisezeit ist ca. 32 bis 40 Stunden. Dies hängt immer davon ab, wie oft man umsteigen muss und wie lange die Umsteigezeit beträgt, da es keine Direktflüge nach Neuseeland gibt. Somit ist es wirklich eine halbe Weltreise, aber Neuseeland ist den langen Flug definitiv wert."

ehc::live: "Wie oft kannst du überhaupt auf Heimatbesuch gehen?"

Mühl: "Ich bin nun seit September 2010 hier in Neuseeland und war dreimal zurück in Deutschland. Einmal bin ich privat zuhause gewesen (2011) und zweimal geschäftlich (2012). Ich arbeite für eine Deutsche Firma (EagleBurgmann) und wurde zweimal zum Produkttraining nach München und Dänemark geschickt. Meine Firma ist sehr großzügig und ich konnte jedesmal einige Tage in Gundelfingen bei meiner Familie verbringen. Leider gehe ich nicht davon aus, dass ich dieses Jahr auf Geschäftsreise nach Europa gehe und privat ist es einfach sehr teuer (ca. 1.000 bis 1.500 Euro pro Person). Daher denke ich, dass die privaten Besuche so alle zwei bis drei Jahre möglich sind. Es geht nicht nur um die Kosten, sondern vielmehr um den Zeitfaktor. Denn man hat in Neuseeland vier Wochen Urlaub im Jahr und wenn man so weit reist, möchte man schon drei bis vier Wochen bleiben. Denn man verbringt ja alleine vier bis fünf Tage nur mit Reisen zuzüglich Jet-Lag. Dies würde aber bedeuten, man hat den Rest vom Jahr keinen Urlaub mehr zur Verfügung. Daher haben Besuche in der Heimat eher Seltenheitswert."

ehc::live: "Bis 2010 hast du noch für den EHC in der Regionalliga die Schlittschuhe geschnürt. Wie bist du denn eigentlich zum Eishockey gekommen?"

Mühl: "Das ist eine schwierige Frage. Ich kann mich eigentlich gar nicht mehr daran erinnern da ich zu klein war. Jedenfalls gingen meine Oma und Eltern früher immer zum Eishockey und als kleiner Junge muss ich meine Eltern wohl so lange genervt haben, bis sie mit mir zur Eishalle gingen. Somit stand ich mit dreieinhalb Jahren das erste Mal auf Schlittschuhen. Damals gab es noch keine Laufschule so wie heute, aber irgendwie habe ich Schlittschuhe gehabt und es ging ab aufs Eis. Angeblich nicht so erfolgreich, denn am Anfang habe ich immer geweint und wollte nicht laufen. Irgendwann hat mich meine Mutter dann einfach in den Mittelkreis gestellt und alleine gelassen. Somit musste ich mit dem Schlittschuhlaufen beginnen."

ehc::live: "Als Nachwuchsspieler hast du auch 68 Zweitliga-Spiele bestritten. Wie hast du die damalige Zeit erlebt?"

Mühl: "Die damalige Zeit war sehr schön und anstrengend. Denn es war immer mein Traum Eishockeprofi zu werden. Somit war ich sehr stolz, als ich das erste Mal mit der ersten Mannschaft unter Thomas Dolak trainieren durfte. Damals hatte der EHC ja auch eine tolle Mannschaft mit Rawa, Oleg, Igor, Vitali u.v.a.. Damals hatte ich mich aber auch entschieden, eine Ausbildung zum Industriemechaniker zu machen. Meine damalige Firma gab mir keine Sonderbehandlung, nur weil ich beim EHC spielte. Somit musste ich jeden Tag von 7 Uhr bis 16 Uhr in der Firma arbeiten und abends ab zum Training. Leider hatte die erste Mannschaft nur Dienstagsabends Training und die restlichen Einheiten am Vormittag. Somit habe ich die meisten Trainings unter der Woche mit dem Nachwuchs absolviert. Dies war für drei Jahre so und danach habe ich dann ein Jahr unter Leos Zajic nur Eishockey gespielt. Ich habe da jedoch gemerkt, dass die drei Jahre, wo ich nur einmal pro Woche mit der ersten Mannschaft trainiert habe, zu wenig waren, um den Sprung unter die ersten drei Reihen zu schaffen. Alles in allem war es jedoch eine tolle Zeit, die ich nie vermissen möchte."

ehc::live: "Was war letztlich ausschlaggebend, dass du ab 2002 nur noch im Amateurbereich aktiv gewesen bist?"

Mühl: Thomas Dolak und ich hatten ein kurzes Gespräch über die neue Saison und dabei sagte er mir, dass ich dabei bleiben kann, aber er auf andere junge Spieler (Peter Boon, Anton Bauer u.a.) setzen wird. Das war schon hart zu hören, aber ich hatte da eigentlich schon gewusst, dass mir die letzten zehn Prozent fehlten, um es wirklich bei den Profis zu schaffen. Nur Ergänzungsspieler zu sein war/ist einfach nicht mein Ding. Hinzu kommt, dass ich mir nach meinem Jahr als Profi auch meine Gedanken gemacht habe. Nur Eishockey zu spielen ist schon eine tolle Sache, aber gleichzeitig sehr hart und anspruchsvoll. Man muss viel aufgeben und ich war einfach nicht bereit dazu, alles dem Eishockey unterzuordnen. Somit war es wohl einvernehmlich zwischen Thomas und mir, dass ich nur noch im Amateurbereich tätig sein werde.

ehc::live: "Welche besonderen Erinnerungen verbindest du mit deiner Zeit beim EHC Freiburg?"

Mühl: Es gibt viele besondere Erinnerungen. Ich habe ja mehr oder weniger meine ganze Kindheit und Jugend in der Eishalle verbracht. Da ich als Nachwuchsspieler, Trainer und Profi aktiv war kann man nicht nur eins nennen. Daher hier mal drei Dinge unter vielen weiteren, die ich besonders in Erinnnerung behalten werde.
- Im Nachwuchsbereich herauszuheben ist sicherlich der Gewinn der Deutschen Junioren Meisterschaft in Weiden. Das war ein tolles Gefühl und die ganze Mannschaft hatte eine unglaubliche Sause im Anschluss.
- Bei der ersten Mannschaft war es sicherlich mein Assist in meinem letzten Spiel.
- Als Trainer muss ich auch noch den Gewinn der Ba-Wü-Meisterschaft mit den Kleinschülern nennen. Damals hatte ich einige junge Talente (Linse (Nikolas Linsenmaier), Bobby (Robert Peleikis), Steve (Steven Billich)), die jetzt in der ersten Mannschaft spielen.

ehc::live: "Verfolgst du deinen alten Klub noch bzw. hast du noch Kontakt zum Verein oder ehemaligen Mitspielern?"

Mühl: Selbstverständlich verfolge ich den EHC noch. Bisher läuft die Saison ja recht viel versprechend, auch wenn die letzten Wochen nicht so gut verliefen. Ich hoffe jedenfalls, dass der EHC die Play-Off Ränge erreicht und von da an ist alles möglich. Mit ehemaligen Mitspielern habe ich auch noch Kontakt. Gerade mit langen Weggefährten wie David Danner, Benni Kunkler und vielen anderen schreibt man ab und an. Soziale Netzwerke wie Facebook haben das leicht gemacht. Daher sendet man sich Geburtstagsglückwünsche, Weihnachtsgrüsse oder sonstiges. Aber da wir mittlerweile alle unser eigenes Leben und teilweise Familien haben, bleibt es meistens bei sporadischem Kontakt. Jedoch ist es immer schön, wenn man sich mal in der Heimat trifft. Der treueste EHC-Fan, Elfriede Sonner bekommt auch jedes Jahr eine Postkarte zum Geburstag und zu Weihnachten von mir. Ich weiß gar nicht, wie lange Elfriede schon zum EHC geht, aber es muss eine Ewigkeit sein. Ich glaube, jeder Spieler sowie treue Fan kennt Elfriede. Alle die für einen längeren Zeitraum beim EHC aktiv waren, bleiben doch in irgendeiner Art und Weise mit der EHC-Familie in Verbindung.

ehc::live: "Die Schlittschuhe hast du mit deinem Umzug nach Neuseeland aber nicht an den Nagel gehängt, sondern bist auch in der dortigen Eliteklasse aktiv. Welche Formalitäten mussten im Vorfeld erledigt werden, ehe du erstmals für Botamy Swarm auflaufen konntest?"

Mühl: "Also das war eigentlich ganz einfach. Ich habe mich mit dem ehemaligen Trainer der Swarms und jetzigem Trainer der neuseeländischen Nationalmannschaft in Verbindung gesetzt. Er ist Deutscher und hat die B-Lizenz. Er hat mich dann gefragt, welches Niveau ich in Deutschland gespielt habe und meinte, ich sollte einfach mal zu einem Training der Swarms gehen. Somit bin ich hingegangen und nach ein paar Trainingseinheiten waren wir uns sicher, dass ich dem Team helfen kann. Somit hat man eine ITC (Internationale Transfer Karte) beantragt und nachdem diese eingetroffen ist, war ich als Ausländer für die Swarms spielberechtigt. Formalitäten für den neuseeländischen Verband waren von meiner Seite nicht zu erledigen. Das hat alles der Verein gemacht. Es verlief alles reibungslos."

ehc::live: "Die Auswahl an Eishockeyklubs ist in Neuseeland nicht gerade groß. Liegt dein Klub in deiner Nähe oder musst du doch einen weiten Weg für deine Leidenschaft auf dich nehmen?"

Mühl: "Also mein Klub ist ca. 40 Kilometer entfernt. Bei normalem Verkehr fahre ich ca. 40 bis 45 Minuten zum Training. Auckland hat zwei Vereine und beide sind ungefähr gleichweit von meinem Zuhause entfernt. Das dumme ist nur, dass wenn das Training am frühen Abend ist, dass ich im Feierabendverkehr stecke und dann kann die Fahrt eineinhalb bis zwei Stunden dauern. Auf der Nordinsel gibt es leider nur zwei Eishallen und beide sind in Auckland. Somit kann man Eishockey auf der Nordinsel nur betreiben, wenn man in Auckland wohnt. In der Mannschaft gibt es aber auch einen Spieler der ca. 120 Kilometer entfernt wohnt. Somit bin ich noch gut bedient mit meinen 40 Kilometern."

ehc::live: "Wie würdest du das Niveau der neuseeländischen Liga einschätzen?"

Mühl: "Das Niveau ist ähnlich wie in der Regionalliga, wo die Freiburger 1b spielt. Man muss sehen, dass es erst seit 2005 eine richtige Liga in Neuseeland gibt. Davor haben die Mannschaften einfach einmal im Jahr irgendwo ein Turnier gespielt und das war es. Es ist eine reine Amateurliga mit fünf Mannschaften. Davon sind zwei Vereine in Auckland (Nordinsel) und die restlichen drei von der Südinsel. Wir spielen hier eine Doppelrunde mit jeweils zwei Spielen am Wochenende und die beiden Erstplatzierten tragen das Finale beim Vorrundensieger aus. Aufgrund der weiten Flugreisen zwischen den Inseln und dass die Eishallen hier privaten Firmen gehören, die einen Gewinn erzielen möchten, ist Eishockey spielen sehr teuer. Die Vereine versuchen die Kosten so gut es geht über Sponsoren abzudecken. Leider nur mit mäßigem Erfolg. Daher müssen die Spieler einen recht hohen Betrag bezahlen, um hier überhaupt Eishockey zu spielen. Eishockey ist jedenfalls weit davon entfernt, Sportarten wie Rugby, Cricket, Netball oder Basketball Konkurrenz zu machen. Meine Erfahrung zeigt, dass viele Neuseeländer nicht mal wissen, dass man in Neuseeland Eishockey spielen kann. Dadurch erhält Eishockey kaum Förderung vom Staat oder der Stadt. Man sieht das ganz gut daran, dass wir hier das ganze Jahr über Eis haben. Die Swarms können trotzdem nicht das ganze Jahr über trainieren, da dies zu teuer ist. Da Eishallen privaten Firmen gehören, müssen wir als Eishockeyteam auch die volle Miete bezahlen. Somit startet unsere Vorbereitung im April und die Saison geht von Ende Mai bis Anfang September. Wir haben auch keine feste Kabine in der Eishalle und müssen somit unsere Ausrüstung immer mit nach Hause nehmen. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied zur Situation beim EHC. Die Liga entwickelt sich jedenfalls von Jahr zu Jahr und das Ziel ist natürlich, immer professionellere Rahmenbedingungen zu schaffen und eventuell auch den ein oder anderen ausländischen Profi zu locken. Denn unsere Liga läuft dann, wenn in Europa kein Eishockey gespielt wird."

ehc::live: "In Freiburg steht immer wieder die Eishalle im Mittelpunkt. Wie sind im Vergleich zur altehrwürdigen Franz-Siegel-Halle die Bedingungen in Neuseeland?"

Mühl: "Die Eishallen sind hier viel kleiner als die Franz-Siegel-Halle. Generell kann man die Eishallen jedenfalls mit der in Hügelsheim verleichen. Es sind keine kleinen Schmuckkästchen, sondern eher funktionsorientiert. Ich würde jedenfalls das hiesige Eisstadion sofort gegen die altehrwürdige Franz-Siegel-Halle eintauschen. Die Stadiondebatte habe ich jedenfalls auch in Neuseeland verfolgt und hoffe, dass die Stadt Freiburg dem EHC ein richtig tolles Stadion bauen wird. Die Jugendarbeit wird hier in Neuseeland übrigens auch gefördert. Jedoch ist es kein Vergleich zu Deutschland und gar nicht zum EHC. Hier mangelt es an Trainern sowie einer ordentlichen Ausbildung der Trainer, Sponsoren und auch Kindern, die Eishockeyspielen möchten. Daher sehe ich es wirklich als Pflicht der Stadt, den EHC zu unterstützen, um die tolle Jugendarbeit aufrechtzuerhalten. Denn auch wenn Eishockey niemals die Zahlen vom Fußball erreichen kann, ist der Beitrag, den der EHC für Freiburg und Umgebung leistet, enorm."

ehc::live: "Eishockey ist nun nicht das ganze Leben - was würdest du am liebsten sofort aus deiner Heimat nach Neuseeland importieren?"

Mühl: "Das ist einfach. Bäckereien, Metzgereien, Fasnet und die Weihnachtsbrötchen meiner Tante Iris. Denn neuseeländische Brote, Brötchen und Würste schmecken einfach nicht. Ich habe hier mal neuseeländische Lyoner probiert und dachte ich kaue auf Sägemehl herum, und das Brot ist eher eine Art von Gummibrot. Ordentliches Körnerbrot gibt es nicht. Zum Glück habe ich bei mir um die Ecke einen deutschen Metzger und Bäcker gefunden. Als alter Fasnachtsmensch vermisse ich meine Zunft, die Gundelfinger Dorfhexen. Daher würde ich das sofort mit nach Neuseeland nehmen. Und da gerade Weihnachten war, habe ich die Weihnachtsbrötchen meiner Tante vermisst."

ehc::live: "Gibt es auch etwas, dass du überhaupt nicht vermisst?"

Mühl: "Das ständige Meckern auf höchstem Niveau. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen."

ehc::live: "Umgekehrt die Frage: Was sollte man in Deutschland unbedingt aus Neuseeland einführen?"

Mühl: "Die Entspanntheit der Kiwis. Denn egal wie schlimm die Situation auch ist, hier heißt es immer "No worries". In jeder Situation bleibt man hier ganz ruhig und locker. Das wichtigste ist aber das "Beer-o'clock". Denn hier in Neuseeland wird in so gut wie jeder Firma am Freitag gemeinsam ein, zwei Bier getrunken und oftmals bezahlt die Firma. Selbstverständlich auch den Movember. Aber das hat der EHC ja dieses Jahr schon vorbildlich gemacht. Denn den Movember gibt es nicht nur in Australien."

ehc::live: "Und was braucht man definitiv nicht, was es in Neuseeland gibt?"

Mühl: "Den "Stubbie". Das ist eine Art von Flaschenkühler aus Schaumstoff, der das Bier kalt halten soll und die Finger warm. Hab meinen Freunden schon erklärt, dass man das in Deutschland nicht braucht. Denn man trinkt das Bier einfach bevor es warm ist und die Finger kalt. Sporttechnisch kann man definitiv auf Netball verzichten. Eine Art Basketball, das hauptsächlich von Frauen gespielt wird."

ehc::live: "Weihnachten liegt hinter uns. In deiner alten Heimat ist (normalerweise) Winter, in Neuseeland aber Sommer. Kann man sich daran gewöhnen?"

Mühl: "Ich glaube nicht das man sich daran gewöhnen kann. Da es Sommer ist, fühlt es sich einfach nur wie Urlaubszeit an und nicht wie Weihnachten. Grillen und surfen an Weihnachten passt einfach nicht zusammen. Dazu fehlen hier die Weihnachtsmärkte mit Glühwein, gebrannten Mandeln, Grillwürstchen usw. Für mich kommt noch erschwerend hinzu, dass die ganze Famile in Freiburg ist. Weihnachten ist und bleibt nunmal ein Familienfest. Weihnachten ohne Familie ist für mich kein Weihnachten. Daher plane ich meinen nächsten Heimatbesuch auch über Weihnachten und eventuell sieht man sich dann ja in der Franz-Siegel-Halle oder dem neuen Stadion."

ehc::live: "Kommen wir zum Abschluss noch zu einem ganz anderen Aspekt: Man kennt ihn aus dem Rugby, aber auch die neuseeländische Eishockey-Nationalmannschaft hat ihn bereits vorgeführt - den Haka-Tanz. Wie schaut es mit deinen Tanzkünsten aus? Hat man dich schon mal den Haka tanzen sehen? Oder schaust du da lieber nur zu?"

Mühl: (lacht) "Also wer schon einmal einen richtigen Haka gesehen hat, der weiß, dass man dazu eigentlich Maori, dunkelhäutig, über 1.90m und mindestens 120kg haben muss. Die Maoris sind sehr traditionell und daher sollten auch nur Maoris, Kiwis und Pazifikinsulaner diesen Tanz vorführen. Als Ausländer würde ich es nicht wagen, diesen Tanz zu tanzen. Außerdem würde ich wohl ziemlich lächerlich neben einem richtigen Maori mit nacktem Oberkörper, gestellten Augen und herausgestreckter Zunge aussehen. Aber jeder der nach Neuseeland kommt, sollte einen Haka gesehen haben. Gerade beim Rugby ist es eine unglaubliche Atmosphäre und gehört einfach dazu. Ich konnte das beim Public Viewing des Eröffnungsspiels der Rugby-Weltmeisterschaft 2011 hier in Auckland miterleben. Was durch den Haka an Adrenalin beim Team und den Fans freigesetzt wird ist unbeschreiblich. Überhaupt nicht zu vergleichen mit dem Singen der Nationalhymne bei einer Fußballweltmeisterschaft. Auch ohne Haka bedanke ich mich für das nette Interview und wünsche dem EHC und seinen treuen Fans alles Gute und ganz viel Erfolg für die Zukunft."

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